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Millionen im Pokerfieber: Für die einen ist es Spaß, für die anderen eine Sportart: Poker spielen boomt. Zehntausende Zocker treffen sich in Deutschland regelmäßig in Wohnzimmern oder Kneipen, Millionen spielen im Internet. Doch was die meisten nicht wissen: Pokern um Geld ist in Deutschland fast überall verboten.
Samstagnachmittag in einem Nebenzimmer einer Bowlingbahn in Bayern: Etwa 50 Leute treffen sich hier zu einem Pokerturnier - aus Spaß und zum Zeitvertreib, wie sie versichern. Das große Geld wolle hier niemand verdienen. Für eine Teilnahmegebühr von gerade mal 15 Euro ist man dabei. Mit dem Geld deckt der Veranstalter seine Kosten. Thomas Zoissl organisiert solche Turniere und geriet so, ohne es zu ahnen, ins Visier der Justiz. Denn Pokern um Geld ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt - nämlich dann, wenn nicht öffentlich und nicht regelmäßig gespielt wird. Wer sich daran nicht hält, macht sich strafbar. Einige Bundesländer machen hier eine Ausnahme. Dann sind jedoch nur Einsätze von bis zu 15 Euro zugelassen und jeder Spieler darf nur einmal setzen. Im Visier der Justiz
Genau das wurde Thomas Zoissl zum Verhängnis: So hätten Zivilpolizisten bei einem von ihm veranstalteten Turnier festgestellt, daß sich einige Spieler mehrmals in das Turnier eingekauft haben, erzählt Zoissl. Kurios daran ist: Es handelte sich um eine Veranstaltung, auf der Studenten für gerade mal sechs Euro Einsatz am Pokerspiel teilnehmen konnten.
"Im Prinzip geht es um sechs Euro", ärgert sich nun Zoissl. Doch Gesetz ist Gesetz und so ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Die Vorwürfe, so Zoissl: "Zum einen Verdienst aus illegalem Glücksspiel und das andere: Veranstaltung von illegalem Glücksspiel, nur weil sich die Leute zweimal eingekauft haben beim Turnier." Ihm droht eine Anklage, die er nur mit der Zahlung einer Geldstrafe von 28.000 Euro abwenden könnte. Dieses Angebot jedoch lehnte Zoissl ab.
"Verwirrend für den Bürger"
Rechtsanwälte wie Thomas Amann kritisieren die unterschiedlichen Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern: "Es ist sehr verwirrend für den Bürger. Der Bürger steht vor einem absoluten Regelungschaos. Es gibt unterschiedliche Entscheidungspraxen, unterschiedliche Länderpraxen." So würden ominöse Grenzen, von zum Beispiel 40 oder 15 Euro eingeführt, "die dann mehr oder weniger alle paar Monate geändert werden".
Doch das einst schmuddlige Unterweltglückspiel Poker eroberte in den vergangenen Jahren nicht nur die Wohnstuben und Vorderzimmer von Kneipen. Millionen Deutsche pokern mittlerweile im Internet - angeheizt durch täglich zahlreiche Werbespots im Fernsehen und im Netz. Dabei ist auch das Online-Pokern um Geld verboten. Die wenigsten Spieler sind sich dessen bewusst. Auch wenn der Staat nur schwer den zumeist im Ausland sitzenden Betreibern der Portale habhaft wird, verfolgt er doch die Internet-Spieler bis in die Wohnzimmer. Staat kassiert mit
Das Ziel: Die Pokerbegeisterten soll in die Casinos gehen, da wo das Zocken um hohe Summen erlaubt ist - und wo der Staat kräftig mit abkassiert. "Hier sei durchaus der Hinweis angebracht, daß Poker, ähnlich wie beim Lotteriesystem, dem deutschen Staat natürlich auch gewisse Einnahmemöglichkeiten verschafft, das muss einfach so gesagt werden. Das gibt der Staat natürlich nicht gern aus seiner Hand", meint Amann.
Also droht Pokern in Deutschland wieder in die Hinterzimmer verbannt zu werden. Doch in Zeiten von Internet und Satellitenschüsseln werden Verbote wohl auf Dauer nicht viel nützen. Denn Pokern wird immer populärer. Quelle: ZDF/Frontal21, Link zum Original-Artikel Zurück zur Pressespiegel-Übersicht |