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Das Spiel mit dem Glück - Wo man hinguckt, wird gezockt: Im TV und Internet, in Casinos und Wohnzimmern. Doch woher kommt die Faszination des Glückspiels? Stefan Kretschmar war sichtlich genervt von Tim Mälzer, der durch fortlaufendes Geplapper versuchte von seiner Nervosität abzulenken. Kein Wunder, schließlich ging es um 60 000 Euro.
Und obwohl Ex-Handballstar Kretschmar der Mann mit dem perfekten Pokerface war, gewann am Ende Plaudertasche Mälzer bei der „TV total PokerStars.de Nacht“. Gastgeber Stefan Raab, der ewige Praktikant Elton, Schauspielerin Felicitas Woll und Wildcard-Gewinner Pascal saßen zu diesem Zeitpunkt schon in der „Loser Lounge“. Poker ist eben ein Glücksspiel, und der Fernsehkoch hatte einfach die besten Karten.
Bereits zum neunten Mal hatte Alleskönner Raab vorige Woche zum Pokerabend geladen. Und er ist nicht der einzige Promi, der Spaß am Kartenspiel gefunden hat. Vor Kurzem sah man Ex-Tennisprofi Boris Becker am runden Tisch in Monte Carlo und den französischen Schauspieler Jean Reno bei einem Charityturnier in Wien. Hinzu kommen Tausende von Nichtprominenten, die zu Hause, im Casino oder im Internet ihr Geld verjubeln. Allein in Deutschland gibt es etwa 5 Millionen Freizeit-Kartenspieler, von denen über 1 Million pokern. Tendenz steigend. Und auch das Fernsehen hat den Sport für sich entdeckt: Sender wie DSF und Eurosport übertragen regelmäßig Turniere aus aller Welt. Doch woher kommt die Anziehungskraft des Pokerns?
Geschichte des Kartenspiels
Das Kartenspiel an sich entstand in Ägypten und gelangte über die verschiedenen Handelswege in die ganze Welt. Im 14. Jahrhundert erreichte es Europa. Der Ursprung kann nicht mehr wirklich rekonstruiert werden. Wahrscheinlich ist, dass das Glücksspiel durch den Einfluss verschiedener anderer Spiele entstand, darunter chinesisches Domino, das französische Kartenspiel Poque und das persische Spiel As nas.
Nach Amerika kam Poker durch französische Siedler. Von New Orleans trat das Spiel per Dampfschiff und Eisenbahn die Reise durchs ganze Land an. Besonders im Westen erfreute Poker sich bald großer Beliebtheit und löste in den Saloons das Spiel Faro ab. Die Mentalität des Kartenspiels passte einfach gut zu jener des Wilden Westens: clever abwarten, um dann erbarmungslos und brutal zuzuschlagen.
Pokerboom 2.0
Als Initialzündung der heutigen, weltweiten Pokerwelle gilt der Triumph von Chris Moneymaker. Im Jahr 2003 nahm der Amerikaner für 39 Dollar an einem Online-Qualifikationsturnier teil. Ein paar Wochen später saß er am Finaltisch der „World Series of Poker“ und mit einem der größten Bluffs in der Geschichte gewann er 2,5 Millionen Dollar. Seitdem zocken Millionen von Menschen, unbegabte Amateure träumen von der Profikarriere und vom schnellen Geld. Und tatsächlich gibt es solche Fälle immer wieder: Erst Mitte April 2008 gewann ein 22-jähriger Kanadier das größte europäische Pokerturnier und ging mit 2,02 Millionen Euro nach Hause.
Ein weiterer Grund für den Erfolg des Kartenspiels ist die Möglichkeit, im Internet zu zocken. Besonders für Anfänger ist es dort einfach, die Regeln zu lernen und erste Erfahrungen zu sammeln. Anders als im Casino oder Hinterzimmer lässt sich Nervosität auch ohne Pokerface verbergen. Die Hemmschwelle ist gering, da man mehr oder weniger anonym bleibt und so auch das Verlieren weniger unangenehm ist. Das World Wide Web als Eldorado für Spielsüchtige. Eine Viertelmillionen Deutsche gibt zu, regelmäßig im Internet um Geld zu pokern, dabei ist das hierzulande verboten. Eine Umfrage auf der Internetseite des TV-Senders Eurosport zeigt, dass neben dem Internet am liebsten zu Hause gezockt wird. „Pokern statt Monopoly“ heißt das Motto im heimischen Wohnzimmer.
Pokerwelle schwappt nach Hollywood
Tritt irgendwo ein neues gesellschaftliches Phänomen auf, kann man sicher sein, dass es dieser Trend früher oder später nach Hollywood und damit auf die Kinoleinwand schafft. Es wurde schon in vielen Filmen gepokert, etwa in alten Wildwest-Streifen oder im letzten James-Bond-Abenteuer mit dem treffenden Titel „Casino Royale“. Die neue Generation der Filme hat aber eine andere Dimension erreicht. Pokern ist keine Nebensache mehr, die komplette Handlung dreht sich um den Sport. In Amerika sind zwei dieser Filme schon angelaufen: „Deal“ und „The Grant“. Im ersten mimt Burt Reynolds einen alternden Champion, der ein junges Talent unter seine Fittiche nimmt. Der Streifen kommt im Juni unter dem Namen „All in – Alles oder nichts“ in die deutschen Kinos. Auch „The Grant“ soll noch in diesem Jahr anlaufen. Das Besondere an dem fiktionalen Dokumentarfilm mit Woody Harrelson ist, dass Spielszenen und Dialoge weitgehend improvisiert sind.
Neben diesen beiden bereits abgedrehten Zockerfilmen, sind noch weitere in Planung: So soll Hayden Christensen in „The Madison Kid“ Pokerikone Phil Hellmuth verkörpern. Hellmuth gewann im Alter von nur 24 Jahren die „World Series“ und ist bekannt für sein notorisch schlechtes Benehmen am Spieltisch. Hollywoodstar Nicolas Cage steht bald für die Verfilmung der Biografie von Thomas Austin Preston alias „Amarillo Slim“ vor der Kamera. Auf alle Poker- und Kinofreunde kommen also rosige Zeiten zu. Quelle: Focus, Link zum Original-Artikel Zurück zur Pressespiegel-Übersicht |